Digitalisierung im Nahverkehr

Wie voll ist der Bus wirklich? Wo gibt es noch Sitzplätze – und ist Platz für Kinderwagen, Rollstuhl oder Fahrrad? Genau diese Fragen sollen Fahrgäste im Rheingau-Taunus-Kreis (RTK) künftig verlässlich beantworten können – bevor sie einsteigen. Mit dem Projekt Smart Traffic Management (STM) entsteht dafür eine neue digitale Grundlage: Ein automatisches Fahrgastzählsystem soll in allen Bussen des lokalen ÖPNV die tatsächliche Auslastung erfassen und transparent machen.

Das Ziel: 160 Fahrzeuge Zählsensoren an allen Türen – rund um die Uhr

Geplant ist im ersten Schritt die Ausstattung von bis zu 100 Fahrzeugen mit Sensorik an allen Türen. Das Endziel sind über 160 Fahrzeuge mit dem gleichen System im Bestand. Das System zählt kontinuierlich („7/24/365“) Ein- und Ausstiege und übermittelt die Informationen in Echtzeit an das Rechenzentrum der Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft mbH (RTV GmbH), die als Aufgabenträgerin für den ÖPNV im RTK verantwortlich ist.

Wichtig dabei: Es handelt sich um reine Zähldaten, nicht um Bild- oder Videoaufnahmen. Datenschutz und Datensparsamkeit sind zentrale Grundprinzipien des Projekts.

Von Zähldaten zur Prognose: KI zeigt, was Fahrgäste erwartet

Die Kapazitäten der unterschiedlichen Fahrzeugtypen – ob Standard- oder Gelenkbus – sind bekannt. In Kombination mit den Zähldaten lässt sich so bestimmen, wie hoch die Auslastung an einzelnen Haltestellen ist. Eine KI-gestützte Software erstellt daraus Prognosen für die nächsten Haltestellen: Gibt es voraussichtlich noch Sitzplätze? Wie sieht es mit Abstellflächen für Rollstühle, Kinderwagen oder Fahrräder aus?

Diese Informationen sollen Fahrgästen über eine App bereitgestellt und perspektivisch auch an zentralen Haltestellen sichtbar werden – ein Schritt, der gerade im ländlichen Raum entscheidend sein kann: Wer Wege gut planen kann, steigt eher um.

Mehr Steuerungsfähigkeit für die Leitstelle – und neue Optionen für flexible Angebote

STM ist nicht nur ein Informationsprojekt, sondern auch ein Betriebs- und Planungsinstrument. In der Leitstelle der RTV können Nachfragespitzen schneller erkannt und bewertet werden. Langfristig eröffnet die präzise Auslastungsanalyse zudem die Möglichkeit, schwach ausgelastete Angebote gezielter weiterzuentwickeln – etwa durch On-Demand-Ansätze, die besser zu tatsächlichen Bedarfen passen.

Nächster Schritt: Digitale Fahrgastinformation an rund 900 Haltestellen

Im Förderantrag war vorgesehen, Auslastungsinformationen an ausgewählten Schwerpunkthaltestellen über Displays anzuzeigen. Der RTK denkt darüber hinaus: Unter dem Stichwort „Digitale Fahrgastinformation (DFI)“ sollen die heutigen Papierfahrpläne an rund 900 Haltestellenmasten perspektivisch durch digitale Anzeigen ersetzt werden.

Damit könnten Fahrgäste künftig Fahrplanänderungen, Verspätungen, Umleitungen – und perspektivisch auch Inhalte aus STM – in Echtzeit direkt an der Haltestelle sehen. Ein praktischer Zusatznutzen: Die Darstellung lässt sich individuell vergrößern, was die Barrierefreiheit stärkt.

Fazit: Transparenz schafft Vertrauen – und Daten ermöglichen besseren ÖPNV

STM und DFI stehen für einen Perspektivwechsel: weg von statischen Annahmen, hin zu aktuellen, belastbaren Daten. Das macht Angebot und Nachfrage sichtbarer, hilft bei der Steuerung des Betriebs und stärkt die Kundensicht. Kurz: Mehr Information – und damit mehr Verlässlichkeit – kann zum entscheidenden Impuls werden, damit mehr Menschen den ÖPNV nutzen.

RTV